Bevor dich jemand verlässt, verlässt du dich selbst
Selbstverrat beginnt selten mit einer großen Entscheidung. Meist beginnt er in den kleinen Momenten, in denen du merkst, dass etwas nicht stimmt – und dir anschließend erklärst, warum du es trotzdem akzeptieren solltest.
Du möchtest mehr Verbindlichkeit, gibst dich aber entspannt. Du brauchst Unterstützung, willst jedoch nicht „zu viel“ sein. Du übernimmst die Kommunikation, findest Erklärungen für das Verhalten des anderen und hältst dich zunehmend an dem fest, was möglich wäre – statt an dem, was tatsächlich da ist.
In dieser Folge sprechen wir darüber,
was es psychologisch bedeutet, sich selbst zu verlassen,
wie du Selbstverrat von einem gesunden Kompromiss unterscheidest,
warum alte Bindungs- und Schutzmuster dabei eine Rolle spielen,
weshalb Intensität nicht automatisch Intimität bedeutet,
wie Verständnis zur Rechtfertigung und Geduld zum Warten werden kann,
warum gerade reflektierte und empathische Menschen problematische Dynamiken besonders lange erklären können,
woran du erkennst, dass du mehr in die Möglichkeit als in die Realität einer Beziehung investierst,
und wie du bei dir bleiben kannst, ohne hart, misstrauisch oder beziehungsunfähig zu werden.
Die entscheidende Frage ist nicht nur:
„Wie behandelt mich dieser Mensch?“
Sondern auch:
„Wie behandle ich mich selbst, sobald ich Angst bekomme, diesen Menschen zu verlieren?“
Denn eine Beziehung, die nur funktioniert, solange du deine Bedürfnisse herunterhandelst, funktioniert nicht wirklich – du funktionierst in ihr.